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Verzicht lernen, bevor die Blase platzt (03.12.08)

Amerika versucht es jetzt mit der Brechstrange, TA vom 27.11.08

Nicht nur die USA versuchen, koste es was es wolle, die Konjunktur möglichst nicht einbrechen zu lassen. Fast alle Länder und die EU machen Ähnliches. Die Finanzblase ist geplatzt, aber sonst soll offenbar alles gleich bleiben, gleich viel Wachstum, gleich viel Konsum. Dass damit eine noch weit gefährlichere Blase mit allen Mitteln am Leben erhalten bleibt, nämlich die „Über die Verhältnisse-leben-Blase“ in den wohlhabenden Ländern, das scheint niemanden zu kümmern. Obwohl diese Blase viel gefährlicher ist, sie bedroht die Grundlagen unseres Lebens u.a. durch den Klimawandel. Unser überrissener Anspruch auf das Oel dieser Welt und andere Rohstoffe ist ständiger Anlass für Kriege und gefährliche Spannungen, in weiten Teilen der Welt. Warum nehmen wir den Konjunkturrückgang nicht zum Anlass damit zu beginnen, der „Über die Verhältnisse-leben-Blase“ sorgfältig die Luft abzulassen. Das würde vor allem heissen unsere Ansprüche zu senken, eine Diskussion darüber zu führen, wie denn eine Lebenshaltung und eine Wirtschaft hier in der Schweiz aussehen könnte, die uns etwas weniger abhängig und unfrei macht von Dingen, die für ein gutes Leben nicht nötig sind. Das würde auch heissen, dass wir investieren in Energie-Lösungen, die uns unabhängiger machen vom Oel. Mehr in solche Lösungen investieren, sparsamer umgehen mit Energie und Rohstoffen, ganz bewusst auch verzichten, lernen ärmer an materiellen Gütern zu sein, ohne es auf jene abzuwälzen, die sowieso schon nur das Nötigste haben oder nicht einmal das. Selbstverständlich können wir uns um diese Fragen drücken, sie sind ja auch unangenehm und schwierig, und weiterhin auf Kosten der Zukunft Wachstum und gute Konjunktur fast um jeden Preis erzwingen wollen. Wir sollten dann, wenn der „Über die Verhältnisse-leben-Blase“ die Luft ausgeht nur nicht klagen, wir hätten es nicht gewusst und wir hätten nichts machen können dagegen. Wie es so Brauch ist, wenn  wieder einmal eine Blase platzt.

auch als Leserbrief erschienen im Tages-Anzeiger vom 3.12.08

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