Finanzblase geplatzt - bereiten wir schon die nächste Blase vor? (Kopie 1) (08.01.11)

Langsam beginnen wir zu verstehen, was in der Finanzwelt geschehen ist, warum es ein so riesiges Wachstum des Finanzvolumens gab und warum es zum Zusammenbruch kommen musste. Wir sehen, dass da ein riesiger Handel mit eigens dafür präparierten Papieren stattfand, deren wahrer Wert – oder Unwert – fast niemand kannte oder kennen wollte, und die zu einer immer grösser gewordenen Blase anschwollen. Es war im Grunde genommen ein Handel mit Illusionen, weil diese Papiere bei weitem nicht mit realen Werten gedeckt waren. Das Ganze weckt starke Erinnerungen an die Dotcom-Blase, d.h. an die 2001 geplatzte Blase. Damals wurden IT-Unternehmen systematisch und z.T. völlig realitätsfern hochgejubelt und damit deren Aktien hochgetrieben. Bis auch dort einige kalte Füsse bekamen und darauf die Blase platzte.

Neu ist das Phänomen somit nicht. Aber warum hat man denn nichts gelernt, im Gegenteil, innerhalb von sieben Jahren wieder eine noch viel grössere Blase konstruiert und aufgepumpt. Möglicherweise liegt eine Erklärung darin, dass uns die grossen materiellen Expansionsmöglichkeiten in der westlichen Welt ausgegangen sind. Erfindungen, die riesige Entwicklungen auslösten, wie z.B. die Eisenbahn, die Elektrifizierung, das Auto gibt es nicht mehr. Wir stehen materiell auf einem so hohen Niveau, dass die meisten Neuerungen entweder Ersatz für etwas Bestehendes oder kleine Verbesserungen sind. Geblieben aber ist die Fixierung aufs materielle Wachstum. Und wenns real nicht mehr geht, dann erfindet man halt Illusionen, mit denen man handeln kann. Bis sie platzen und eine Leere hinterlassen, neben viel Sorgen und Leid.

Was heisst das für die Wirtschaftspolitik? Zur Zeit ist der Staat daran, in die Lücke zu springen und vielleicht sind wir schon daran, die nächste Blase aufzubauen. Das wäre dann die Staatsverschuldungsblase. Oder mit anderen Worten: wir wollen auf keinen Fall von der Illusion Abschied nehmen, dass Wachstum so hochversorgter Gesellschaften wie der unsrigen ein Rezept für Wohlergehen ist. Da ist sogar der bis vor kurzem vielgeschmähte Staat gut genug, um mitzuhelfen, diese Illusion aufrecht zu erhalten. Er soll mit seinen Schulden sicherstellen, dass wir unsere Illusion weiter pflegen dürfen. Bis dann auch diese Blase platzt.


Ruedi Winkler, 8.1.09

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